VdDP Verband der Deutschen Polstermöbelindustrie e.V.
Polstermöbelindustrie sieht "die Talsohle erreicht"
Die Situation in der deutschen Polstermöbelindustrie bleibt angespannt, laut Herstellerverband VdDP liegen die Umsätze nach den ersten sieben Monaten 2024 mit rund 540 Mio. EUR um etwa 7 % unter Vorjahr. In Deutschland beträgt das Minus 10 %, weil die Anschaffungsneigung nach wie vor niedrig sei und Impulse aus dem Wohnungsmarkt und damit verbundene Umzüge fehlten.
Der Außenhandel ist nach einem guten Frühjahr ebenfalls rückläufig, das Minus beträgt hier knapp 2 %. Wichtigster europäischer Absatzmarkt bleibt die Schweiz mit 104 Mio. EUR (-0,3 %) per Ende Juli. In Österreich (63 Mio. EUR) wurden 8 % weniger umgesetzt. Positive Meldungen kommen hingegen aus Frankreich (+6,9 %), Italien (+19,3 %) und dem Vereinigte Königreich (+4,4 %). In Spanien, das gerade einen Wohnungsbau-Boom erlebt, konnten die Exporte deutscher Polstermöbel sogar um 43,4 Prozentpunkte zulegen.
Um nochmals 16 % zugelegt haben die Importe von Polstermöbeln nach Deutschland. Polnische Hersteller haben hier mit 42 % den Löwenanteil, aus chinesischer Produktion stammen 25 %. Als weitere wichtige Lieferländer werden Italien, Ungarn und Rumänien genannt.
Die Hoffnungen des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie ruhen auf der zweiten Jahreshälfte: "Wir sehen die Talsohle erreicht und setzen jetzt auf die Herbst- und Wintermonate mit erhöhter Nachfrage für die Hersteller", so dessen Vorsitzender Leo Lübke. Das Minus für das Gesamtjahr ließe sich so noch auf etwa 5 % reduzieren. Die Branche stecke voller Ideen, werde jedoch durch bürokratische Hürden ausgebremst.
Damit meint Lübke vor allem die Umsetzung der Europäischen Entwaldungsverordnung (EUDR). "Viele Hersteller, besonders die kleineren Unternehmen, haben große Schwierigkeiten, bis zum nahenden Stichtag EUDR-ready zu sein." Der Aufwand sei immens, weniger finanziell als was den zeitlichen Aufwand betrifft. Ausdrücklich begrüßt Lübke daher die mögliche nochmalige Verschiebung bis Ende 2026.
Befürchtungen gebe es in der Industrie auch hinsichtlich des Digitalen Produktpasses, der im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) bis 2030 eingeführt werden soll. Allerdings biete der auch Chancen für deutsche Hersteller: für mehr Transparenz gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern, für eine bessere Rückverfolgbarkeit von Materialien und für die Entwicklung kreislauffähiger Produkte.
aus
BTH Heimtex 11/25
(Wirtschaft)