Schlüter-Systems: Diese berühmte Schiene kennt jeder Handwerker
50 Jahre Schlüter-Schiene
Wenn eine gute Idee zum Synonym für eine ganze Produktgattung wird, ist das außergewöhnlich: Typische Beispiele sind Tempo, Tesafilm und Nutella. In unserer Branche kennt jeder Handwerker die Schlüter-Schiene. Diese "feiert" am 23. Oktober 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum. Vor einem halben Jahrhundert meldete Fliesenleger Werner Schlüter seine Erfindung zum Patent an. Heutzutage stellt das von ihm gegründete Unternehmen Schlüter-Systems am Standort in Iserlohn pro Jahr rund 50 Mio. Laufmeter davon her. FussbodenTechnik fragte bei den Geschäftsführern Udo und Marc Schlüter nach, welche Bedeutung die Schlüter-Schiene für den Zubehörspezialisten hatte und hat.Die Idee zur Schlüter-Schiene kam Werner Schlüter im Jahr 1975. Als Fliesenlegermeister musste er in einem Badezimmer mit fünf Türen einen sauberen Abschluss für das im Dünnbett verlegte Florentiner Mosaik finden. Es galt, die Fliesenkanten an diesen Übergängen vor Beschädigungen zu schützen, damit der Fliesenboden dem Bauherrn möglichst lange Freude bereiten konnte. Zu diesem Zeitpunkt gab es allerdings kein Produkt auf dem Markt, das ihm weiterhalf. Der Erfinder Schlüter hatte den Einfall zu einem L-förmigen Profil aus Metall mit einem gelochten Befestigungsschenkel. Mithilfe eines befreundeten Werkzeugmachers entwickelte er einen Prototypen, der sich auch in Praxistests bewährte. Daraufhin meldete er das Profil zum Patent an - am 23. Oktober 1975 wurde die Eintragungsurkunde inklusive der Schutzrechte offiziell ausgestellt. Im Anschluss daran wurde die erste Profilserie aus Messing in fünf verschiedenen Abmessungen gefertigt. Parallel dazu entwarfen Werner Schlüter und seine Ehefrau Bärbel, die von Anfang an in den Fliesenlegerbetrieb eingebunden war, gemeinsam mit einem Werbefachmann den ersten Prospekt und prägten auch den Namen Schlüter-Schiene.
Die anfangs erhältlichen Profilvarianten M60, M80, M100, M125 und M150 sind heute noch ein Begriff unter Fliesenlegern und finden sich nach wie vor im Lieferprogramm des Iserlohner Unternehmens. Bereits ein Jahr später wurde das Sortiment um zusätzliche Höhen sowie die ersten Profile aus Aluminium und eloxiertem Aluminium ergänzt. Auch letztere Variante ist heute noch ein echter Dauerbrenner: Allein 2023 wurden vom Profiltyp Schiene-AE 100, also der Schlüter-Schiene aus eloxiertem Aluminium in 10 mm Höhe, weltweit über 5,5 Mio. Laufmeter verkauft. Von der Schlüter-Schiene gibt es heute zwischen 250 und 300 Artikelnummern: Die große Anzahl ergibt sich aus den unterschiedlichen Materialien wie Edelstahl, Aluminium, Aluminium eloxiert und Messing, den Längen zwischen 1 und 3 m, den Höhen zwischen 3 und 30 mm sowie den Beschichtungen in diversen Farben.
Erstes Lager am Wohnhaus
Trotz der von Anfang an professionellen Herangehensweise hatte Werner Schlüter die Herstellung und den Vertrieb der Schlüter-Schiene ursprünglich als Nebenbeigeschäft zu seiner Arbeit als selbstständiger Fliesenleger gedacht, auch wenn er davon überzeugt war, dass seine Branchenkollegen von diesem Produkt ebenfalls profitieren würden. So befand sich das erste Lager des Fliesenlegerbetriebs auf dem heimischen Grundstück, direkt neben dem Wohnhaus der Familie - ähnlich wie andere berühmte Start-ups, die ihren Ursprung in der Garage haben.
Aus heutiger Sicht ist gar nicht mehr vorstellbar, dass das gesamte Sortiment dort untergebracht war, und auch damals setzte schnell der Erfolg ein, wie sich Udo Schlüter erinnert: "In Deutschland wurde die Schlüter-Schiene durch Werbung in Fachzeitschriften und Prospektmailings relativ schnell in der Fliesenbranche bekannt, sodass sich bereits im ersten Jahr ein recht beachtlicher Umsatz entwickelte. Wir haben von vornherein versucht, den Fliesengroßhandel in den Vertrieb einzubinden. Der Fliesenleger sollte dort, wo er seine Fliesen und den Kleber kauft, auch die Schiene finden." Dem Vertriebskanal über den Fliesenfachhandel und den Baustofffachhandel ist das Unternehmen bis heute treu geblieben.
Für Werner Schlüter war der erste Erfolg damals Ansporn, weitere Profile zu entwickeln. Udo Schlüter erinnert sich: "Wenn das so gut eingeschlagen ist, dann brauchen wir noch andere Profile", sei ein typischer Satz gewesen. So kamen schließlich weitere Varianten der Schlüter-Schiene hinzu, aber auch Ecken- und Treppenprofile sowie Dehnungsfugenprofile. Geschäftsführer Marc Schlüter sagt rückblickend: "Eigentlich gab es neben der Produktentwicklung noch eine zweite große Leistung: das Produkt in den Markt einzuführen und dafür neue Vertriebswege zu gehen."
Die Profilfamilie wächst rasant
Mit dem schnell einsetzenden und vor allem anhaltenden Erfolg des jungen Unternehmens wurden die Räumlichkeiten am eigenen Wohnhaus zu klein. Schon drei Jahre nach der Markteinführung der Schiene entstand die erste Produktions- und Logistikhalle an der Schmölestraße in Iserlohn - dem Standort, an dem das Unternehmen nach wie vor ansässig ist und der sich im Laufe der Jahrzehnte beständig weiterentwickelt hat. Neben weiteren Produktentwicklungen in dieser Zeit - unter anderem den ebenfalls bis heute sehr erfolgreichen Profilreihen Jolly, Bara und Trep - erhielt auch die Schiene bald ein prägendes Update: Im März 1981 wurden ein neu patentierter, speziell geformter Abschlussschenkel und ein verbreiterter Profilkopf eingeführt. Die bisherige Lochstanzung wurde von der markanten Trapezstanzung abgelöst, die sich neben dem offiziellen Logo als wichtigstes Erkennungsmerkmal des Iserlohner Unternehmens etabliert hat und heute noch die Befestigungsschenkel nahezu aller Profile ziert.
Mit der Einführung des Fugenstegs hat Schlüter-Systems die Schiene noch einen Schritt weitergedacht. Der 2001 eingeführte Steg gibt eine definierte Fugenkammer zum Belagsmaterial vor und macht Fliesenlegern die Erstellung exakter Fugenbilder und die einfache und präzise Verlegung damit noch leichter. 2015 erschien erstmals auch die Schiene aus Edelstahl mit einem Fugensteg.
Entkopplung und Abdichtung
bringen weitere Produktvielfalt
Neben der Schiene in unterschiedlichen Varianten und weiteren Profiltypen für zahlreiche Anwendungen - etwa Dehn- und Bautrennfugen, Übergänge oder Sockel - entwickelte Werner Schlüter mit seinem Team auch in der Folgezeit viele andere Lösungen, die Fliesen- und Natursteinlegern die Arbeit nach wie vor erleichtern. Sein Motto "Aus der Praxis für die Praxis" zeigt dabei die enge Verbindung zum Fliesenlegerhandwerk und mit der Branche. So wurden mit der Verbundentkopplung Schlüter-Ditra oder der Abdichtungsbahn Kerdi Produkte geschaffen, die die Geschäftsführer Udo und Marc Schlüter heute als die zweit- und drittwichtigsten Produkte im Sortiment einschätzen. Auch im weiteren Verlauf der mittlerweile knapp 60 Jahre langen Unternehmensgeschichte sind etliche Produkte und Systemlösungen ins Sortiment aufgenommen worden, von denen sowohl Verarbeiter als auch Endverbraucher profitieren. Beispielhaft genannt seien hier nur die energiesparenden Flächenheizsysteme Bekotec-Therm und Ditra-Heat-E, die Lichtprofiltechnik Schlüter-Liprotec und das umfangreiche Programm zur Gestaltung komfortabler und attraktiver Bäder, wie individuell gestaltbare Waschtische, die praktischen Schlüter-Shelf-Duschablagen sowie elegante Entwässerungsrinnen.
Eine wichtige Rolle spielt bei Schlüter-Systems die Nähe zum Handwerk. Mit dem Bau des Schulungscenters Schlüter-WorkBox vor zehn Jahren erreicht das Unternehmen die Handwerker perfekt. "Zwischen 2.000 und 3.000 Teilnehmer kommen pro Jahr zu uns nach Iserlohn", freut sich Marc Schlüter. Das Konzept der Schlüter-Schulungen gibt es bereits seit fast 30 Jahren. Das Unternehmen bindet auf diese Weise Handwerker, aber auch Architekten, Ausstellungsverkäufer des Handels und andere Kundengruppen, die sich ein oder zwei Tage Zeit nehmen, um Schlüter-Systems und die Produktwelt kennenzulernen.
Auf die Frage von FussbodenTechnik, in welchen Produktgattungen es für Schlüter-Systems noch Potenzial für Wachstum gebe, antwortet Geschäftsführer Udo Schlüter mit einem Lächeln: "Es ist noch lange nicht jeder Fliesenbelag entkoppelt und nicht an jeder Fliesenkante ein Profil dran - es gibt also noch genug Potenzial für uns." Wachstum versprechen sich die Iserlohner auch von der Individualisierung der Produkte durch den Digitaldruck, der unter dem Begriff "MyDesign by Schlüter-Systems" Einzug gehalten hat. Es geht dabei darum, alle Produkte auf Wunsch in einem einheitlichen Design zu liefern, "damit der Fliesenleger seinem Kunden eine hochwertige Arbeit abliefern kann", begründet Udo Schlüter dieses individualisierte Angebot. Der Schlüter-Digitaldruck ist die erste Abteilung, die auf einem neuen, zusätzlichen Firmengelände von 75.000 m
2 - zwei km vom Standort Schmölestraße entfernt - eingezogen ist. Dort gibt es reichlich Platz für neue Produktideen aus dem Hause Schlüter-Systems, die auch weiterhin aus Iserlohn kommen sollen.
Meilensteine der Schlüter-Schiene
1975
Entwicklung und Patentierung der ersten Schlüter-Schiene.
1981
Die Schlüter-Schiene erhält einen neuen Querschnitt, einhergehend mit einem neuen Patent, sowie die charakteristische Trapezlochung im Befestigungsschenkel.
2001
Für eine gleichmäßige und einfache Verfugung erhält die Schiene den patentierten Fugensteg.
2015
Schlüter-Schiene-ES ist die erste Edelstahlvariante, die über einen Fugensteg verfügt.
2025
50 Jahre und immer noch up to date: Die Schlüter-Schiene feiert runden Geburtstag. Rund 50 Mio. Laufmeter verlassen jedes Jahr das Werk in Iserlohn.

Foto/Grafik: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
Die Evolution der Schlüter-Schiene: Ganz links die ursprüngliche Variante mit runder Lochung. Rechts die bekannte trapezförmige Lochung – das Markenzeichen von Schlüter-Systems.

Foto: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)

Foto/Grafik: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
Die Brüder Udo und Marc Schlüter gaben FussbodenTechnik Einblick in das von ihrem Vater Werner gegründete Unternehmen.

Foto: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)

Foto/Grafik: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
Das Abschlussprofil Schlüter-Schiene-ES besitzt einen Fugensteg, der eine definierte Fugenkammer zum Belagsmaterial vorgibt.

Foto: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)

Foto/Grafik: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
Werner Schlüter, Gründer und Geschäftsführer von Schlüter-Systems, erkannte sehr schnell, dass der Markt nach weiteren Schlüter-Schienen verlangte.

Foto: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)

Foto/Grafik: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
Im Lager von Schlüter-Systems sind elf "fahrerlose Transportsysteme" im Einsatz, die den Nachschub an Schlüter-Produkten sicherstellen und die Lageristen unterstützen.

Foto: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)

Foto/Grafik: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
Schlüter-Systems im Überblick
Schlüter-Systems KG
Schmölestr. 7
58640 Iserlohn
Tel.: 0 23 71 / 97 1-0
info@schlueter.de
www.schlueter.de
Gründung: 1966
Umsatz (2024):
knapp 1 Mrd. EUR
Mitarbeiterzahl: weltweit über 2.800, rund 850 in Iserlohn (inkl. 40 Azubis)
Geschäftsführung:
Marc Schlüter
Udo Schlüter
Werner Schlüter
Vertriebsleiter:
Günter Broeks
Marketingleiter:
Christian Brunsmann
Personalleiterin:
Sandra Fontein
Foto: Schlüter-Systems (8), SN-Verlag (2)
aus
FussbodenTechnik 04/25
(Wirtschaft)