38. TKB-Fachtagung im Kölner Maternushaus
Warum Spachtelmassen keine Estriche sind
Normung, Spachtelmassen, Merkblätter, Nachhaltigkeit, Gebäudezertifizierung und Brandschutz - die Themen-Vielfalt der 38. Fachtagung der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) war durchaus beeindruckend. Bei seinem voraussichtlich letzten Auftritt sorgte Dr. Udo Windhövel (früher Leiter Thomsit-Anwendungstechnik und seit vielen Jahren Normungsexperte der TKB) mit seinem Fachvortrag für Eindeutigkeit: Bodenspachtelmassen sind neuerdings gemäß DIN 53298-1 genormt und somit eine eigenständige Produktgruppe. FussbodenTechnik war in Köln vor Ort.Ohne die Corona-Pandemie hätte die Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB) in diesem Jahr ihre 40. Fachtagung und damit einen runden Geburtstag feiern können, scherzte der TKB-Vorsitzende Dr. Norbert Arnold bei seinem Auftritt als Moderator der TKB-Fachtagung 2025 am 19. März in Köln. Zwei Jahre
pausierte die Veranstaltung damals und so war es die 38. Tagung im 40. Jahr seit der Einführung.
Schon traditionell berichtete Dr. Arnold zu Beginn der Tagung über die TKB-Aktivitäten des vergangenen Jahres (vgl. folgende Seiten im Kasten). Als besonderen Tagungsgast begrüßte die TKB die Parkettlegermeisterin und frisch gebackene Restauratorin im Parkettlegerhandwerk, Regina Fraunhofer. Sie hatte den Bundesleitungswettbewerb der Parkettleger 2019 gewonnen, allerdings fiel die darauffolgende TKB-Tagung dann 2020 wegen der Pandemie aus. Da die beiden Gewinner der Deutschen Meisterschaft 2024, Luis Finke (Parkettleger) und Marek Sichart (Bodenleger), verhindert waren, sprang Regina Fraunhofer gerne ein.
Podiumsdiskussion zeigt
unterschiedliche Perspektiven
Ein traditioneller Part der TKB-Fachtagung ist die Podiumsdiskussion: Diesmal ging es um Normung und Merkblätter. Moderator und Geschäftsführer des Industrieverbands Klebstoffe (IVK), Klaus Winkels, beleuchtete verschiedene Perspektiven zur Bedeutung von Normen und Merkblättern in der Baupraxis. Der Sachverständige und ehemalige Bundesinnungsmeister Peter Fendt betonte die Bedeutung von Normen für die Ordnung zu Beginn eines Bauvorhabens. Er wies aber darauf hin, dass es in der Branche oft keine oder zu wenig Einigkeit gebe, was die Normen und deren Anwendung betrifft. Eine klare Sprache und Einheitlichkeit seien nötig, um widersprüchliche Informationen zu vermeiden. Straehuber-Projektleiter Heinz Wuttich stellte fest, dass er mit den bestehenden Normen und Merkblättern gut zurechtkomme, vor allem durch die Nutzung von TKB-Merkblättern, die den Bauprozess sicherer machen. Er kritisierte jedoch die zunehmende Anzahl an Normen.
Anna Thomé, Manager Application Technology Adhesives bei Celanese, erläuterte, dass Rohstoffhersteller sowohl Normen als auch die Chemikalienverordnung berücksichtigen müssen, was die Entwicklung neuer Verlegewerkstoffe mittlerweile stark einschränke. Die Vielzahl an Vorgaben und Anforderungen erfordere eine ständige Beobachtung des Marktes und eine genaue Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, um auch weiterhin innovative und wirtschaftliche Produkte anbieten zu können. Dr. Nicole Kroll vom DIN-Normenausschuss Materialprüfung (NMP) erklärte, dass die Kritik von einem Tagungsteilnehmer von zu hohen Kosten für Normen durch den privaten Charakter des DIN bedingt seien, da nur ein geringer Teil der DIN-Kosten staatlich getragen werde. Sie wies darauf hin, dass die hohe Qualität der Normungsarbeit in Deutschland ihren Preis habe.
Dr. Norbert Arnold erklärte abschließend den Unterschied zwischen Merkblättern, die sich eher an Verleger richten, und Normen, die vornehmlich für Planer und Bauaufseher wichtig seien. Schließlich regte Heinz Wuttich an, die vage Formulierung einiger Merkblätter mit Formulierungen wie "sollte mindestens 18 °C betragen" zu viel Interpretationsspielraum ließen und damit die Praxis erschwerten. Insgesamt wurde die Notwendigkeit betont, Normen und Merkblätter weiter zu harmonisieren und an die Bedürfnisse der Praxis anzupassen.
Termin 2026 vormerken: Es wird im kommenden Jahr die 39. TKB-Fachtagung geben. Diese ist für den 11. März 2026 im Kölner Maternushaus terminiert.
FussbodenTechnik fasst die Fachvorträge zusammen:
Bodenspachtelmassen - Wie sie wurden, was sie sind
Referent: Dr. Udo Windhövel, Udo Windhövel Consulting aus Neuwied
Inhalt: Gegen den Normentwurf DIN 53298-1, der jüngst in einem Gemeinschaftsausschuss bestehend aus Klebstoff- und Estrichexperten gemeinsam überarbeitet wurde, gab es fast 300 Einsprüche, die alle aus dem Estrichbereich kamen. Unverständlich bleibt für viele TKB-Mitglieder, dass die Einsprechenden teilweise selbst an der Erstellung des Normentwurfs beteiligt waren, gegen den sich ihre Einsprüche richten, sagte der Referent. Die in Kürze erwartete Veröffentlichung der
DIN 53298-1 markiert den Abschluss des Schlichtungsverfahrens, das vom Estrichausschuss vor mehr als einem Jahr initiiert wurde. Inzwischen liegen erneut Anträge aus Estrichkreisen auf eine erneute Schlichtung vor.
Die geringe Kompromissbereitschaft auf Estrich-Seiten bestätige die Hersteller von Klebstoffen und Bodenspachtelmassen sowie die Handwerksverbände der verarbeitenden Gewerke in der dringenden Notwendigkeit einer normativen Abgrenzung von Estrich und Estrichmörteln gegenüber Spachtelschichten und Bodenspachtelmassen, sowohl aus technischer als auch aus juristischer Sicht. Und auch betriebswirtschaftlich ist eine derartige Differenzierung wünschenswert. Der Bundesinnungsmeister des Bundesverbands Parkett und Fußbodentechnik (BVPF), Manfred Weber, äußerte sich in diesem Sinn jüngst in einem TKB-Branchengespräch: "Wenn Spachtelmassen zukünftig den Estrichen zugeordnet würden, dann würden Boden- und Parkettleger durch diese Tätigkeit SOKA-Bau-pflichtig werden - was immense Kosten verursachen würde." Dr. Udo Windhövel zitierte dabei aus der Berichterstattung über das TKB-Branchengespräch in FussbodenTechnik 6/2024 auf Seite 40.
Fazit: Bodenspachtelmassen sind eine eigenständige Produktgruppe, die jetzt auch in DIN 53298-1 genormt ist.
Normung heute - Bedeutung für den Fußbodenbau
Referentin: Dr. Nicole Kroll, DIN-Normenausschuss Materialprüfung (NMP)
Inhalt: Wissenswertes über DIN (Deutsches Institut für Normung) und die Normung selbst stellte Dr. Nicole Kroll vor. Das DIN ist eine neutrale Plattform für Normung und Standardisierung in Deutschland. Eine der bekanntesten Normen ist die DIN EN ISO 216, die einheitliche Papierformate regelt wie das bekannte DIN A4-Format.
Die Referentin beleuchtete die Bedeutung der Normung für den Fußbodenbau und das gesamte Bauwesen. Sie stellte das DIN vor, das als neutrale Plattform für die Standardisierung in Deutschland und weltweit fungiert. Das DIN bringt über 37.500 Experten aus verschiedenen Bereichen zusammen, um Normen zu entwickeln, die weltweit anwendbar sind. Normen stellen ein konsensbasiertes Regelwerk dar, das Effizienz, Qualität und Produktsicherheit fördert und gleichzeitig die Kosten der Beteiligten senkt. Im Fußbodenbau betreffen relevante Normen vor allem Klebstoffe und Verlegewerkstoffe, wobei die Normung auch auf europäischer und internationaler Ebene eine Rolle spielt. Der Normungsprozess ist offen und transparent, wobei jede Interessengruppe in die Erarbeitung der Normen eingebunden wird. Normen helfen, gesetzliche Anforderungen zu konkretisieren und bieten eine Grundlage für die technische Umsetzung. Abschließend betonte Dr. Kroll, dass die Mitarbeit im Normungsprozess für Unternehmen Vorteile bringt, wie Marktakzeptanz und Zugang zu relevanten Informationen.
Fazit: Die Mitarbeit im Normungsprozess lohnt sich für Unternehmen, da sie eigene Interessen einbringen, die Marktakzeptanz steigern und Zugang zu marktrelevanten Informationen erhalten können. Dr. Kroll: "Unsere Normungsarbeit gilt in vielen Ländern als Vorbild."
Hydratationsverhalten von
Schnell-Spachtelmassen und -Estrichen
Referent: Dr. Jörg Sieksmeier, Ardex
Inhalt: Der Referent widmete sich dem Hydratationsverhalten von Schnell-Spachtelmassen und -Estrichen unter dampfdichten Bodenbelägen und beschrieb die Wechselwirkungen zwischen Trocknung und Hydratation. Diese ist eine chemisch-physikalische Reaktion, die maßgeblich von der chemischen Zusammensetzung des Bindemittels und den Umgebungsbedingungen beeinflusst wird. Ternäre Systeme (drei Bestandteile) mit Ettringitbildnern trocknen schneller und weniger abhängig von äußeren Faktoren im Vergleich zu binären (zwei) oder reinen Portlandzementsystemen, die stärker auf die Umgebungsbedingungen reagieren. Die Schichtdicke und das Wasser/Zement-Verhältnis (w/z-Wert) spielen eine wesentliche Rolle bei der Trocknungszeit und der Effizienz der Hydratation. Auch Estriche mit ternären Bindemitteln unterliegen ähnlichen Prinzipien, wobei sie eine schnellere Hydratation und geringere physikalische Trocknung zeigen. Der Einfluss der Umgebungsbedingungen wird bei den verschiedenen Systemen unterschiedlich stark wahrgenommen. Es wurde festgestellt, dass ternäre Systeme eine stabilere und schnellere Trocknung bieten, während binäre Systeme stärker auf physikalische Trocknung angewiesen sind. Die vorgestellten Prüfmethoden sind wissenschaftlich fundiert und ermöglichen eine genaue Bestimmung des Trocknungsverhaltens von Estrichen und Spachtelmassen.
Fazit: Die Trocknungs- und Hydratationsverläufe von Schnell-Spachtelmassen und -Estrichen weisen je nach Bindemittelsystem charakteristische Unterschiede auf, wobei ternäre Systeme eine stabilere und schnellere Trocknung bieten und weit weniger von Umgebungsbedingungen abhängen.
Beitrag und Aktivitäten
der TKB zur Nachhaltigkeit
Referent: Bernd Lesker, Mapei
Inhalt: Die TKB engagiert sich aktiv für Nachhaltigkeit, vor allem durch die Entwicklung und Förderung von nachhaltigen Verlegewerkstoffen und Bodenbelagslösungen. Zu ihren Aktivitäten gehören Fachveröffentlichungen, Studien, Kooperationen mit verschiedenen Institutionen und Vorträge, um die technischen Vorteile und Nachhaltigkeitsbeiträge von Bodenbelägen zu kommunizieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Langlebigkeit von Bodenaufbauten, für die die TKB konkrete Nutzungsdauern erarbeitet und mit relevanten Verbänden abgestimmt hat. Die TKB beschäftigt sich auch intensiv mit der Verwertung und dem Recycling und erkennt dabei die Herausforderungen im Rückbau und Materialzuordnung. Zudem wird an Lösungen geforscht, um die Kreislaufwirtschaft von Bodenbelägen zu fördern, mit einem Fokus auf chemisches Recycling. Die Emissions- und Schadstoffbelastung von Bodenbelägen wird ebenfalls berücksichtigt, wobei das Umweltsiegel Emicode zu emissionsarmen Verlegewerkstoffen beiträgt. Insgesamt verfolgt die TKB das Ziel, nachhaltige Standards für die Branche zu setzen und die relevanten Branchenbeteiligten mit fundierten Daten zu überzeugen.
Fazit: Der CO
2-Fußabdruck von Verlegewerkstoffen ist für die Gesamtbilanz eines Gebäudes wenig relevant, während Aspekte wie Langlebigkeit, Rückbaubarkeit und emissionsarme sowie schadstofffreie Eigenschaften entscheidend für nachhaltige Gebäude sind.
Gebäudezertifizierung - Systeme,
Anforderungen und Anwendungen in der Praxis
Referent: Dr. Tobias Benighaus, Sika Deutschland
Inhalt: Gebäudezertifizierungssysteme helfen bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden mit definierten Kriterien und Gewichtungen. Sie ermöglichen dadurch eine Vergleichbarkeit der Gebäude. Gebäudezertifizierungssysteme, die gesamte Gebäude bewerten und zertifizieren, zeichnen sich durch eine hohe Akzeptanz aus. Bauprodukte können einen Beitrag zur Erfüllung der Anforderungen liefern. Die Produkte an sich können allerdings nicht LEED-, BREEAM- oder DGNB-zertifiziert sein, dies bleibt den Gebäuden vorbehalten. Die wichtigsten Anforderungen an Verlegewerkstoffe sind niedrige VOC-Emissionen und der Verzicht auf Schadstoffe. In Europa ist ein solcher Nachwies über den Emicode und den Blauen Engel gewährleistet und bewährt.
Die Gebäudezertifizierung ist ein Prozess zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden anhand bestimmter Kriterien wie Energieeffizienz, Umweltfreundlichkeit und Lebenszyklusanalyse. Es gibt verschiedene Systeme für die Gebäudezertifizierung: LEED, BREEAM und DGNB sind dabei die wohl wichtigsten, wobei sie unterschiedliche Anforderungen und Bewertungsmethoden haben. Diese Systeme fördern eine nachhaltige Bauweise und helfen, ökologische, ökonomische und soziale Kriterien zu berücksichtigen. Die Anforderungen variieren je nach Zertifizierungssystem und umfassen Aspekte wie Ressourcenschonung, Emissionsreduktion, Gesundheit und Wohlbefinden der Nutzer. In der Praxis hat die Gebäudezertifizierung zunehmend an Bedeutung gewonnen, da sie nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile bringt - wie zum Beispiel geringere Betriebskosten und eine höhere Marktattraktivität. Die Anwendung von Zertifizierungssystemen hilft Bauherren, Investoren und Betreibern, Gebäude langfristig effizient zu betreiben und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die Zertifizierung kann zudem den Wert eines Gebäudes steigern. Abschließend lässt sich sagen, dass die Gebäudezertifizierung ein wichtiges Instrument für nachhaltige Entwicklungen im Bauwesen darstellt.
Fazit: Die Gebäudezertifizierung ist ein wichtiges Instrument für nachhaltige Bauweisen, das sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet und die Marktattraktivität von Gebäuden steigert.
Brandschutz - Anforderungen an
Fußbodenkonstruktionen und deren Bestandteile
Referent: Dr. Norbert Arnold, Uzin Utz
Inhalt: Der Vortrag behandelte das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen von Fußbodenkonstruktionen. Dr. Norbert Arnold betonte die Bedeutung des Brandschutzes sowohl im Neubau als auch in der Renovierung, wobei rechtliche Anforderungen auf EU- und nationaler Ebene berücksichtigt werden müssen. Baustoffe und Bauteile werden nach ihrer Brandklassifizierung unterteilt, wobei die Baustoffklasse nach DIN 4102-1 oder der europäischen Norm EN 13501-1 erforderlich ist. Estriche und Verlegewerkstoffe wurden hinsichtlich ihres Brandverhaltens und der zugehörigen Anforderungen detailliert erläutert, z. B. erfüllen Estriche und Spachtelmassen oft die Anforderungen der Baustoffklasse "nichtbrennbar A1 oder A2". Entsprechend der CE-Klassifizierung erfüllen sie mindestens die Baustoffklasse B2. Das Brandverhalten von textilen und elastischen Bodenbelägen ist in DIN EN 14041 das von Parkett in der DIN EN 14342 aufgelistet. Dabei wird immer die Mindestanforderung (Klasse Efl) erreicht, bei Parkett in bestimmten Fällen auch Schwerentflammbarkeit (Klasse Cfl).
Vorsicht sei geboten bei der Einstufung von Leichtausgleichmörteln, Kombinationen von Verlegeunterlagen und Bodenbelag, Bodenbelägen an der Wand und bei unklaren Untergrundbedingungen. Besondere Aufmerksamkeit wird den Verlegeunterlagen und der Notwendigkeit von Systemprüfungen geschenkt. Abschließend betonte der Referent, dass im Zweifelsfall die entsprechenden Nachweise angefordert werden sollten, um Reklamationen und Sicherheitsrisiken zu vermeiden.
Fazit: Die korrekte Klassifizierung und die Einhaltung der brandschutztechnischen Anforderungen ist entscheidend, um Sicherheitsrisiken und Reklamationen bei Fußbodenkonstruktionen zu vermeiden.
aus
FussbodenTechnik 04/25
(Wirtschaft)