BVPF: Mitgliederversammlung 2025 in Berlin (Fortsetzung)

Meisterschulen verzeichnen regen Zulauf

Auf der Mitgliederversammlung 2025 des Bundesverbands Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) tauschten sich im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin rund 50 Teilnehmer aus. Um wichtige Weichenstellungen für das Parkettlegerhandwerk und das Bodenlegergewerbe ging es in den zahlreichen Diskussionen. Dieser Artikel ist die Fortsetzung des Beitrags "Parkettleger stellen sich Zukunftsaufgaben" aus FussbodenTechnik 4/2025 auf Seite 58 und 59.

Zur Jahresversammlung des Bundesverbands Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) waren die meisten Obermeister am 9. Mai 2025 im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin erschienen. Von rund 50 Teilnehmern vertraten die anwesenden stimmberechtigten Mitglieder 17 von landesweit 19 Regionalinnungen, die zusammen rund 1.050 Fachbetriebe repräsentieren. Bundesinnungsmeister Manfred Weber und der neue BVPF-Geschäftsführer Michel Durieux hatten eine umfangreiche Tagesagenda zusammengestellt. Angestoßen aus Kreisen der Obermeister wurden zudem Möglichkeiten erörtert, den Informationsaustausch zwischen den Gremien des Bundesvorstands und den Fachgruppen der Innungen weiter zu verbessern.

In seinem Vorstandsbericht ging Weber auf die jüngsten Entwicklungen ein: Der BVPF trat im Juli 2024 dem Unternehmerverband Deutsches Handwerk (UDH) wieder bei. Zusammen mit dem Deutschen Handwerkskammertag bildet der UDH den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Als einer der vier Spitzenverbände der Wirtschaft vertritt er im politischen Berlin die Interessen des gesamten Handwerks. "Die Zusammenarbeit verläuft sehr gut, gerade auch hinsichtlich der Evaluation der Rückvermeisterung", stellte Weber fest. "Von den zwölf Gewerken, für die 2020 die Meisterpflicht wiedereingeführt wurde, steht das Parkettlegerhandwerk bei der Überprüfung der Ergebnisse durch das Bundeswirtschaftsministerium am besten dar."

Die Parkettleger hätten die aktuellsten Verordnungen für die Fortbildungen zum Meister sowie zum Master Professional im Restauratoren-Handwerk. Die durchschnittliche Anzahl der Meisterschüler habe sich von 22 auf 77 erhöht, zudem könne eine große Gefahrengeneigtheit festgehalten werden, führte Weber aus. Unter anderem wegen des Regierungswechsels lassen die Ergebnisse der Evaluation länger als zunächst angenommen auf sich warten. In der zuständigen Rechtsabteilung, in der der Bericht in der Finalisierung vorliegt, falle die inhaltliche Bewertung für den künftigen Erhalt der Meisterpflicht im Parkettlegerhandwerk jedoch positiv aus, informierte Geschäftsführer Durieux.

Meisterschulen brauchen
engagierten Nachwuchs

Das mit der Meisterfortbildung befasste Gremium hat in den vergangenen Jahren vieles auf den Weg gebracht: die bundeseinheitliche Ausarbeitung einer neuen Prüfungsverordnung sowie eines neuen Rahmenlehrplans und neuer einheitlicher Prüfungssätze. "In unseren fünf Meisterschulen haben wir uns darauf verständigt, miteinander im Gespräch zu bleiben und dabei auch immer wieder die Qualität der Schulen, der Dozenten und der Prüfungsergebnisse abzugleichen", berichtete der stellvertretende Bundesinnungsmeister Holger Wiehle. Die Verantwortlichen in allen fünf Meisterschulen seien jedoch mit der Organisation des Lehrbetriebes extrem stark ausgelastet. "Wir brauchen ein starkes Team, damit die Aufgaben auf mehreren Schultern verteilt sind. Die nächste große Herausforderung für die Meisterschulen wird darin bestehen, belastbaren Nachwuchs aufzubauen", machte Wiehle deutlich.

Die fortschreitende Dokumentation von Nachhaltigkeitsanforderungen, etwa in Zusammenhang mit den neun R-Strategien, den Entwürfen der Construction Products Regulation (CPR) oder der Ökodesign-VO (ESPR), haben den BVPF und den Verband der Deutschen Parkettindustrie (VDP) voriges Jahr zum gemeinsamen Handeln gebracht. Zusammen erarbeitet wurden kürzlich zwei Veröffentlichungen: "Nachhaltigkeit im Handwerk - und ihre Vorteile" sowie "Parkett: Nachhaltigkeit und handwerkliche Leistung" mit umfassenden Informationen zu den verschiedenen Nachhaltigkeits-Richtlinien. Während Parkettböden schon aufgrund des Werkstoffs Holz, der eine nachwachsende Ressource und ein CO2-Speicher ist, eine vergleichsweise gute Ökobilanz aufweisen, sei die professionelle handwerkliche Leistung des Parkettlegers der entscheidende Einflussfaktor für deren Nachhaltigkeitsleistung, betonte Bundesinnungsmeister Weber: "Wenn ein fachgerecht vollflächig geklebtes Parkett 50 Jahre hält, dann ist das anders zu bewerten als ein schwimmend verlegtes DIY-Element, bei dem die Klick-Verbindung möglicherweise nach fünf Jahren kaputt ist." Ein langlebiger Holzboden in Verbindung mit dem handwerklichen Können des Parkettlegers kann für den Bauherrn attraktiv sein - etwa durch die Möglichkeit, Fördermittel zu erhalten.

Geschäftsführer Durieux verwies in diesem Zusammenhang auf die Schnittstellen der Bundesfachgruppen zum Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), der sich fachübergreifend mit den verschiedenen Anforderungen der Nachhaltigkeit beschäftigt. Als Beispiel nannte er unter anderem die Entwaldungsverordnung (EUDR), deren Inkrafttreten durch den Austausch vom ZDB und weiteren Verbänden mit der Politik vor kurzem erfolgreich bis Anfang 2026 verschoben wurde "In diesem Zeitraum wird sich die Bundesregierung mit der Umsetzung der Verordnung befassen müssen - und das werden wir begleiten", sagte Durieux.

Diskussion um
Ausbildungskostenausgleichskasse

Ein weiteres Thema, das den BVPF umtreibt, ist die mögliche Gründung einer Ausbildungskostenausgleichskasse. In Berlin stellte der Bundesinnungsmeister die Idee dahinter zur Diskussion: Mit Unterstützung aller Parkett- und Bodenlegerbetriebe könnte eine solche Kasse die Förderung der ausbildenden Fachbetriebe sicherstellen und für eine wettbewerbsgerechte Verteilung der Ausbildungskosten sorgen. Das Bundesland Bremen praktiziert bereits für alle Betriebe ein solches Modell, das einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag und öffentliches Interesse voraussetzt. Berlin will folgen.

Die Obermeister diskutierten kontrovers verschiedene Fragestellungen zu den Umsetzungsmöglichkeiten - und ob die Parkettlegergemeinschaft ein derart ambitioniertes Projekt angesichts der vielen bestehenden Aufgaben überhaupt angehen sollte. Die anwesenden Mitglieder signalisierten schließlich Zustimmung, sich auf Bundesverbandsebene ergebnisoffen weiter mit der Thematik zu befassen.

Verjüngung in
zwei Bundesfachgruppen

In zwei der fünf Bundesfachgruppen erfolgte kürzlich ein Generationenwechsel. Die Bundesfachgruppe Digitalisierung wählte bei ihrem Treffen im März 2025 einen neuen Vorstand: Dennis Giesen (Innung Arnsberg) und sein Stellvertreter Daniel Pieczkowski (Innung Köln-Bonn-Aachen) wurden in Berlin einstimmig bestätigt. Als Vertreter der jungen Generation wollen die beiden frischen Wind in die Aktivitäten der digitalen Gemeinschaft bringen, so wie es der vorherige Leiter Stephan Ankert mit hochwertigen Digitalveranstaltungen in der Vergangenheit bereits vorgelebt hat. Dennis Giesen sagte: "Wir setzen künftig auf Informationen aus den Betrieben, was für sie wichtig ist und worauf wir uns spezialisieren sollen. Wir wollen die Betriebe zum Mitmachen animieren." Für die nächste Tagung der Bundesfachgruppe Digitalisierung kündigte der Parkettlegermeister aus Schalksmühle einen Schwerpunkt auf dem wichtigen Themenfeld rund um Cyberkriminalität und Sicherheit an. Weitere Fachausschussmitglieder sind Stephan Ankert (Obermeister Innung Niedersachsen) und Ericco Krügerke (Innung Nordost).

Des Weiteren bestätigten die Obermeister in Berlin einstimmig den Vorstand der im Herbst 2024 gegründeten Bundesfachgruppe "Holz, Bodenbelag und Sportböden". Fachgruppenleiter ist Christian Druckmüller (stellvertretender Obermeister der Innung München-Oberbayern), sein Stellvertreter Konstantin Blum (Landesinnung Hessen). Fachausschussmitglieder sind Thomas Allmendinger und Jens Bader (Obermeister der Innung Schwaben).

Schnittstelle Fußbodentechnik
eint Akteure der Belagsverlegung

Ebenfalls im Jahr 2024 gegründet wurde die Schnittstelle Fußboden, die als Interessenvertretung von Parkett- und Bodenlegern beim Erstellen von Hinweisblättern sowie im Dialog zwischen Handwerk und Industrie wirkt. "Alle wichtigen Akteure, die sich mit dem Bodenlegen beschäftigen, sind dabei und arbeiten effizient zusammen," konstatierte Ralf Wollenberg, stellvertretender Bundesinnungsmeister und Sprecher der Initiative. Neben dem BVPF sind dies die Bundesverbände Farbe Gestaltung und Bautenschutz sowie der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung(BSR), der Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge (FEB), der Industrieverband Klebstoffe (IVK), die Verbände der deutschen Parkettindustrie (VDP), der europäischen Laminatbodenhersteller (EPLF) und der mehrschichtig modularen Fußbodenbeläge (MMFA) sowie der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR).

Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, leicht verständliche Informationen und Arbeitshilfen für Handwerksbetriebe zu erstellen. Sie befasst sich darüber hinaus aber auch mit allgemeinen und in die Zukunft gerichteten Themen des Gewerks. Bereits veröffentlicht wurden Informationen zur Belegreife sowie zu Schüsselungen von zementären Estrichen, Information zur Temperaturbegrenzung von elastischen Bodenbelägen auf Fußbodenheizung sowie eine Handlungsempfehlung für eingefräste Estriche. Laufendes Projekt ist eine Information zur Prüfung der Höhenbezugspunkte.

Neuauflage der Technischen
Regeln für Gefahrstoffe 610

Aus der Arbeit im Ausschuss für Gefahrstoffe berichtete Holger Wiehle von der laufenden Überarbeitung der Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 610 "Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich" aus dem Jahr 2011. "Die Besonderheiten der neuen TRGS 610 liegen im Detail", kündigte Wiehle an. Dies verdeutliche schon der neue Titel "Ersatzstoffe und Ersatzverfahren für Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich" - denn "stark lösemittelhaltige" Vorstriche oder Klebstoffe würden längst nicht mehr verarbeitet.

Mit der Entwicklung neuer Rezepturen haben sich die Produkte in ihrer chemischen Reaktion, ihrer Substanz und ihrem Abbindeverhalten im Laufe der Jahre verändert. Dem folgend hat der mit der Überarbeitung befasste Ausschuss unter Federführung von Dr. Klaus Kersting (BG Bau) die Definition von Lösemitteln in einigen Punkten angepasst. Unter anderem wurde der Siedepunkt-Grenzwert von bisher 200 °C auf künftig 250 °C heraufgesetzt, die Einordnung in die Giscode-Typenkennzeichnung für Produkte mit vergleichbarer Gesundheitsgefährdung wurden aktualisiert und die europäische Reach-Chemikalienverordung mit aufgenommen. Was gesundheitsgefährdende Epoxidharze und mögliche Alternativstoffe betrifft, wird die neue Giscode-Klassifizierung für Exoxidharz-Produkte nur erwähnt, aber nicht definiert oder kommentiert. Mitte 2025 soll die Neufassung der TRGS 610 veröffentlicht werden.


Fachgruppe Holz, Bodenbelag und Sportböden
Aktiver Dialog rund um
fachtechnische Neuerungen
Soeben als Fachgruppenleiter bestätigt, stellte Christian Druckmüller die neue Bundesfachgruppe Holz, Bodenbelag und Sportböden vor: "Wir sind Ihre kompetenten Ansprechpartner rund um den Themenkomplex von elastischen und textilen Bodenbelägen, Parkett, Sportböden sowie die jeweils dazugehörigen Verlegetechniken." Die Fachgruppe hat sich vorgenommen, die 19 Innungen zu technischen und rechtlichen Neuerungen zeitnah auf dem Laufenden zu halten. Man werde den technischen und wenn nötig auch kritischen Dialog mit der Industrie führen sowie mit dem Sachverständigenwesen und mit Nachbarverbänden hinsichtlich fachtechnischer Entwicklungen und Stellungnahmen zu Branchenveröffentlichungen zusammenarbeiten.

Die Fachgruppe mit aktuell 61 Mitgliedern ist Veranstalter der jährlichen technischen Herbsttagung des BVPF. Beim nächsten Treffen, vom 16. bis 17. Oktober 2025 bei Nora Systems in Weinheim, geht es unter anderem um die Verlegung ableitfähiger Kautschukbeläge, um die Renovierung und Sanierung von Sportböden sowie um den aktuellen Sachstand zu Bodenbelägen in Arztpraxen.


Aus- und Weiterbildung
Immer weniger Lehrlinge in den Betrieben
Tobias Michalak, Bundesfachgruppenleiter Aus- und Weiterbildung, berichtete zunächst von einer erfolgreichen Deutschen Meisterschaft der Parkett- und Bodenleger 2024 mit rund 350 Zuschauern in Stade. Den Bundessieg hatten sich dort im Herbst 2024 der Parkettleger Luis Finke aus Nordrhein-Westfalen und der Bodenleger Marek Sichart aus Bayern gesichert. Ein Wermutstropfen war der deutliche Sponsorenrückgang auf noch 30 Förderer. Für den kommenden Wettbewerb ist Michalak optimistisch, wieder mehr Sponsoren gewinnen zu können - die nächste Deutsche Meisterschaft wird am 14. November 2025 an der Max-Bill-Schule in Berlin ausgetragen.

Sorge bereiten dem Gewerk die seit 2021 stetig sinkenden Auszubildendenzahlen. Mit landesweit in allen drei Lehrjahren 557 angehenden Parkettlegern (-7,5 %) und 380 angehenden Bodenlegern (-9,5 %) war im Februar 2025 ein neuer Tiefststand erreicht. Diese Talfahrt werde sich fortsetzen, befürchtet der Bundesfachgruppenleiter. Über Gründe lasse sich nur spekulieren, die Ausbildungsvergütungen hielten laut Michalak jedenfalls dem Vergleich mit anderen Berufen stand.


Fachgruppe Sachverständigenwesen
Neue Hinweis- und Merkblätter
aus vier Arbeitskreisen
In der Bundesfachgruppe Sachverständigenwesen, in der sich aktuell 40 Mitglieder organisieren, sind zurzeit vier Arbeitskreise tätig: der Fachausschuss Sachverständigenprüfung und Weiterbildung, der Arbeitskreis Normung und Richtlinien, die Schnittstelle Parkett-Unterboden und der Arbeitskreis Material und Techniken. In Berlin informierte Bundesfachgruppenleiter Thomas Fahrner über die Aktivitäten in allen vier Bereichen.

Im Fokus stehen zahlreiche neue bzw. neu aufgelegte Hinweis- und Merkblätter: Bereits fertiggestellt wurde kürzlich das Hinweisblatt "Materialtypische Farbänderungen an Parkett und anderen natürlichen Bodenbelägen". Kurz vor der Fertigstellung steht das Merkblatt "Schnittstelle Parkett - Zementestrich". Außerdem erarbeiten die Sachverständigen zurzeit das neue Hinweisblatt "Bestimmungsgemäßer Gebrauch und nutzungsbedingte Veränderungen bei Parkett und Bodenbelägen". Alle Publikationen der Bundesfachgruppe Sachverständigenwesen sind im Download-Bereich ihrer Webseite (www.dsvt.de) verfügbar. Der nächste Deutsche Sachverständigentag wurde für den 10. bis 11. Februar 2026 in Kassel terminiert.


BVPF im Überblick
Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik
Kronenstraße 55-58
10117 Berlin
Tel.: 0 30 / 20 31 45 42
info@bv-parkett.de
www.bv-parkett.de

Funktion: Allgemeines Organ des Parkettlegerhandwerks und des Bodenlegergewerbes, technischer Verband
Vorstand:
-Manfred Weber (Bundesinnungsmeister)
-Ralf Wollenberg (1. stv. Bundesinnungsmeister)
-Holger Wiehle (2. stv. Bundesinnungsmeister)
-Stephan Ankert
-Thimo Dätsch
-Dominik Kison
-Tobias Michalak

Geschäftsführung: Michel Durieux

Mitgliedsinnungen: 19

Vertretene Mitgliedsbetriebe: ca. 1.050

Fördermitglieder: ca. 60

BVPF-Serviceges. mbH: Ausbildungsinitiative "Das ist Bodenhandwerk", Sachverständigentag, Deutsche Meisterschaft der Parkett- und Bodenleger

Bundesfachgruppen: Aus- und Weiterbildung, Sachverständigenwesen, Normung, "Holz, Bodenbeläge, Sportböden", Digitalisierung, Restauratoren
aus FussbodenTechnik 05/25 (Wirtschaft)