Kurt Weigel GmbH

"Für viele sind Hausmessen inzwischen wichtiger als klassische Branchenmessen"


BTH Heimtex sprach auf der Weigel-Messe mit Co-Geschäftsführer Klaus Schulz über die Rolle von Branchenveranstaltungen, den Strukturwandel im Fachhandel und die Zukunft des Marktes.

BTH Heimtex: Herr Schulz, wie ist die Resonanz auf das neue Freitag-Samstag-Konzept?

Klaus Schulz: Sehr positiv. Wir waren anfangs etwas skeptisch, aber im Nachhinein war das genau die richtige Entscheidung. Seit Beginn ist durchgehend viel Betrieb. Früher war der Sonntag oft schwächer, und am Nachmittag wurde es schnell ruhig. Durch das neue Konzept und das Abendprogramm bleiben die Besucher länger - und einige kommen am nächsten Morgen sogar noch einmal wieder.

BTH Heimtex: Welche Rolle spielen solche Hausmessen heute für die Branche?

Schulz: Für viele sind sie inzwischen wichtiger als klassische Branchenmessen. Hier treffen genau die Menschen zusammen, die die Produkte später verkaufen oder verarbeiten, also Fachhändler und Handwerker. Auf großen Leitmessen ist diese Zielgruppe oft weniger präsent, dort geht es stärker um internationale Kontakte und Export.

BTH Heimtex: Gewinnen Hausmessen also insgesamt an Bedeutung?

Schulz: Nicht pauschal. Aber etablierte Veranstaltungen wie unsere haben definitiv ihre Berechtigung. Schwieriger wird es für kleinere Formate, die ohne klares Konzept organisiert werden. Eine Hausmesse im Lager an einem Freitag oder Samstag reicht heute oft nicht mehr aus.

BTH Heimtex: Woran liegt das?

Schulz: Man muss die Leute gezielt mobilisieren. Veranstaltungen brauchen ein überzeugendes Konzept und einen guten Ruf. Den hat sich Weigel über Jahre erarbeitet, das zahlt sich aus.

BTH Heimtex: Gleichzeitig steht der Fachhandel vor strukturellen Veränderungen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Schulz: Die Situation ist anspruchsvoll. Ein großes Thema ist die Nachfolge. Viele Betriebe finden keine geeigneten Nachfolger. Unternehmen mit klarem Konzept und hoher Beratungskompetenz haben weiterhin gute Chancen. Insgesamt wird sich der Markt aber in den nächsten Jahren deutlich verändern.

BTH Heimtex: Was treibt diesen Wandel?

Schulz: Die Veränderungen haben mehrere Ursachen: Digitalisierung verschiebt Märkte, gleichzeitig werden Produkte zunehmend standardisiert und als Palettenware gehandelt. Individuelle Zuschnitte, etwa bei Rollenware, gehen zurück. Parallel entstehen neue Vertriebskanäle, und Betriebe werden häufiger von größeren Einheiten übernommen. Auch der demografische Wandel spielt eine Rolle.

BTH Heimtex: Welche Bedeutung haben Messen unter diesen Bedingungen noch?

Schulz: Produkte werden heute über viele Kanäle schnell verfügbar gemacht, dafür braucht es nicht zwingend eine Messe. Aber Veranstaltungen wie diese erfüllen weiterhin eine wichtige Funktion: Man trifft sich persönlich, tauscht sich aus und sieht konkrete Lösungen für den Arbeitsalltag. Gerade für Handwerker ist das ein großer Mehrwert.

BTH Heimtex: Was müssen Hausmessen künftig leisten, um relevant zu bleiben?

Schulz: Wir müssen die Formate langfristig weiterentwickeln. Wenn man sich das Publikum anschaut, sieht man viele, sagen wir: erfahrene Köpfe. Die entscheidende Frage ist, wie wir künftig jüngere Zielgruppen erreichen. Das ist ein Thema, mit dem sich die Branche intensiv beschäftigen muss.
Die Fragen stellte André Sperber.
aus BTH Heimtex 04/26 (Wirtschaft)