Nachhaltigkeit bei den Mitarbeitenden: U. Leibbrand aus Schorndorf
Mit Leib und Seele Leibbrand
Das Unternehmen U. Leibbrand aus dem baden-württembergischen Schorndorf zählt 110 Angestellte - viele von ihnen sind langjährig dabei. Die Geschäftsführung setzt gezielt auf Maßnahmen für eine nachhaltige Mitarbeiterführung, um die Zufriedenheit und Loyalität des Teams langfristig zu fördern. Für dieses Engagement erhielten die Verantwortlichen den Boden.Zukunft.Award 2025 in der Kategorie "Nachhaltigkeit bei den Mitarbeitenden".Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Da bei U. Leibbrand in Schondorf 110 Mitarbeitende zusammenkommen, ist es naheliegend, dass nicht alle die gleiche Lebenssituation teilen. Das wissen auch die Geschäftsführer Frank Krämer und Thomas Mürdter und kommen ihren Teammitgliedern bei individuellen Wünschen entgegen: "Manchmal geht es um die Kinderbetreuung, wenn beide Elternteile arbeiten oder um die Pflege von Angehörigen", berichtet Thomas Mürdter. Die Lösung sind dann häufig flexiblere Arbeitszeiten, für die sich die Verantwortlichen immer gesprächsbereit zeigen.
Nicht nur die Büroangestellten, sondern auch die Handwerker profitieren von diesem Ansatz: Können Mitarbeitende nicht frühmorgens im Baustellenfahrzeug ihres Teams mitfahren, weil sie sich zu der Zeit noch um ihre Kinder kümmern müssen, kommen sie später in einem Firmenfahrzeug nach. Der Fuhrpark umfasst aktuell 80 Fahrzeuge, davon 18 E-Fahrzeuge.
Auch bei Geflüchteten, die bei Leibbrand tätig sind, wird starke Unterstützungsarbeit geleistet: Das Unternehmen hilft ihnen bei der Wohnungssuche und mietet sogar selbst Mitarbeiterwohnungen für sie an. Auch bei der Begleitung zu Behörden leistet der Betrieb Hilfestellung. Thomas Mürdter kümmert sich bei Bedarf darum, dass Azubis in Berufsschulen unterrichtet werden, in denen sie auch einen Deutschkurs absolvieren können.
Rundes Jubiläum:
100 Jahre U. Leibbrand
Das Unternehmen U. Leibbrand wurde 1925, also vor genau 100 Jahren, als reiner Malerbetrieb gegründet und beschäftigt heute neben Malern und Lackierern auch Stuckateure, Trockenbauer, Schreiner, Innenausbauer sowie Raumausstatter und Bodenleger. 1992 übernahm Frank Krämer den Betrieb, in dem er einst eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert hatte. Später machte er seinen Meister.
Seit 2006 ist auch Thomas Mürdter Teil der Geschäftsführung und unter anderem für Personalfragen zuständig. Susanne Krämer, die Ehefrau von Frank Krämer, verantwortet Schulungen und Veranstaltungen. Auf die individuellen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Belegschaft einzugehen, ist dem Trio sehr wichtig. Die Freude über den Boden.Zukunft.Award 2025 in der Rubrik "Nachhaltigkeit bei den Mitarbeitenden" ist dementsprechend groß: "Diese Auszeichnung ist eine Bestätigung für unsere Arbeit", freut sich Frank Krämer.
Mit der Zeit gehen,
damit keiner geht
Die Gesundheit und das Wohlbefinden der gesamten Belegschaft stehen ebenfalls im Fokus der nachhaltigen Mitarbeiterführung. Jede Bürokraft sitzt - oder steht - an einem höhenverstellbaren Schreibtisch. "Jeder hat einen bekommen, außer mir", scherzt Frank Krämer. "Einmal in der Woche kommt ein Knetmobil", ergänzt seine Frau. Den betrieblich organisierten Massage-Service nimmt auch der Chef gerne in Anspruch. Wer einen weiteren der begehrten Plätze reserviert, kann sich eine halbe Stunde lang massieren lassen.
Den größeren Teil der Kosten übernimmt der Betrieb. Auch auf individuelle gesundheitliche Probleme wird reagiert. Ein Beispiel: Handwerker erhalten bei Bedarf einen orthopädischen Autositz.
Um die verpflichtenden G-Untersuchungen (Grundsätze der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) unabhängig von den Wartezeiten beim medizinischen Dienst der Berufsgenossenschaft einhalten zu können, arbeitet das Unternehmen eng mit einem Betriebsarzt zusammen. Generell können alle Angestellte dessen Dienste in Anspruch nehmen - dies gilt auch für einen Psychologen. "Wir haben eine Vereinbarung getroffen, dass Interessierte innerhalb von 14 Tagen einen Termin bekommen", berichtet Frank Krämer, der darauf verweist, dass gesetzlich Versicherte oft bis zu einem Jahr lang warten müssten, bis sie einen Termin bei einem Psychologen erhalten.
Neben der Förderung der Gesundheit ist die Baustellensicherheit ein Thema, das die Geschäftsführung sehr ernst nimmt. Bei Leibbrand hält man sich nicht nur an die gesetzlichen Vorschriften, die bei Baustellenbegehungen von externen Kräften geprüft werden, man geht sogar über sie hinaus. Das Unternehmen schickt außerdem zusätzlich eigene Sicherheitsfachkräfte zu unangekündigten Kontrollen los. Frank Krämer kritisiert, dass sich viele Unternehmen in Sachen Sicherheit nicht ans gängige Recht halten würden, weil sie es nicht kennen oder ignorieren: "Ich glaube, wenn wir zumindest mal auf den Stand kommen, dass sich alle an die geltenden Regeln zum Mitarbeiterschutz halten, wäre das schon ein großer Schritt." Alles andere verzerre den Wettbewerb.
Work-Life-Balance
im Betrieb
Die Liste dessen, was Leibbrand seinen Mitarbeitenden bietet, damit das Betriebsklima stimmt, ist lang: Es gibt kostenlose Getränke und frisches Obst aus der Region. Einmal im Monat kocht die Chefin. Der neu gestaltete Pausenraum gleicht eher einem hippen Großstadtcafé als einer Kantine eines Bauunternehmens. Und die Betriebsduschen erinnern an die coole Optik von Designhotels. In der fair produzierten Arbeitskleidung macht jeder und jede eine gute Figur. Es gibt die Möglichkeit, ein Job-Bike zu leasen: Aktuell nehmen 30 Mitarbeitende das Angebot in Anspruch.
Alina Fuchs, Auszubildende zur Ausbaumanagerin im dritten Lehrjahr, arbeitet für ihre Abschlussarbeit im Bereich Gesundheitsmanagement unter anderem an der Realisierung einer Egym Wellpass-Kooperation: Die Belegschaft profitiert dank der finanziellen Unterstützung durch den Arbeitgeber von einem kostengünstigeren Sportangebot in Fitnesseinrichtungen. Auch bei der Inanspruchnahme der betrieblichen Krankenversicherung kann gespart werden. Eine betriebliche Altersvorsorge gibt es zusätzlich.
Gute Arbeit,
hohe Wertschätzung
Und wo erfolgreich gearbeitet wird, kommt auch das gemeinsame Feiern nicht zu kurz: Beim Azubi-Tag geht es schon mal auf die Kart-Bahn. Zu Weihnachtsfeiern dürfen die Partner und zu Sommerfesten die Familie mitgebracht werden. Für Frank Krämer sind diese Angebote und Maßnahmen Investitionen in die Zufriedenheit seines Teams, die sich auszahlen: "Wir sind nicht die Sozialstation", betont er. "Wir erwarten natürlich, dass unsere Leute gute Arbeit leisten und wir müssen schon auch wirtschaftlich denken. Aber wir sind davon überzeugt, dass Mitarbeitende, die Wertschätzung erfahren, gerne arbeiten und bereit sind, sich mehr für das Unternehmen einzusetzen. Es ist immer ein Geben und Nehmen."
| Heike Heel
aus
FussbodenTechnik 04/25
(Handwerk)