Nachhaltigkeit im Unternehmen: Schühle aus Schönaich

Auf die Zukunft gebaut

Vor wenigen Jahren musste Dieter Schühle neue Betriebsräume beziehen. Statt sein 15 Personen umfassendes Raumausstatterunternehmen Schühle in Schönaich, nahe Stuttgart, irgendwo einzumieten, entschied er sich, neu zu bauen. Entstanden ist ein nachhaltiges und energieeffizient wirtschaftendes Firmengebäude, das seinesgleichen sucht. Dafür erhielt Dieter Schühle den Boden.Zukunft.Award 2025 in der Kategorie "Nachhaltigkeit im Unternehmen".

"Wir wollen Neues entdecken - um dafür Energie zu bekommen, lohnt es sich, Dinge zu hinterfragen", so steht die Unternehmensphilosophie im Schühle-Bau in einem der Räume an der Wand. Besagter Raum, gerade groß genug für eine Person, ist schon so eine bauliche Neuerung: Hier können sich Mitarbeitende zurückziehen, die Außenwelt aussperren und konzentriert nachdenken. Auch dieser Satz ist zu lesen: "Die Natur soll hier Vorbild und Lehre zugleich sein." Dieter Schühle hat diese und andere Leitsprüche formuliert, um herauszufiltern, welche Art Gebäude er überhaupt errichten möchte. Entstanden ist schließlich eine 650 m2 große Betriebsstätte in Bestlage im baden-württembergischen Gewerbegebiet in Schönaich bei Stuttgart. Bis zur Fertigstellung 2024 waren die vorab formulierten Sinnsprüche richtungweisend - und sie sind es noch heute.

Dieter Schühle beschäftigt sich schon lange mit dem Begriff Nachhaltigkeit: "Ich habe schnell erkannt, dass Nachhaltigkeit für viele eine Worthülse war - ein neues Marketing-Tool. Aber lediglich Prospekte auf recyceltem Papier zu drucken, ist mir einen Tick zu wenig." Mit seiner neuen Betriebsstätte versucht er daher, das Maximum an echter Nachhaltigkeit herauszuholen. Auch um die entsprechenden Förderungen zu erhalten, kam eine klassische Steinbauweise mit Schaumstoffdämmung ebenso wenig infrage wie eine Stahlhalle. Der Unternehmer entschied sich für einen leichten Gewerbebau auf Basis eines ökologischen Konzepts. Überzeugt hat ihn die Holzständerbauweise mit Innenwänden aus Hanfplatten und Lehmputz. "Perspektivisch betrachtet, wenn wir das Gebäude rück- oder umbauen müssten, könnte man ca. 60 % des Gebäudematerials wieder verwenden, recyceln oder sogar kompostieren", freut sich Dieter Schühle über das besondere Potenzial von Naturmaterialien.

Die so errichtete Halle ist zweigeteilt: Im vorderen Teil befindet sich die mit Hilfe des Innenarchitekturbüros Commonconcept/Holger Schalk durchgestylte, vom eigenen Team ausgebaute Ausstellungsfläche mit integrierten Büroplätzen. Die Innenwände und die hohe Decke sind zwar dunkel gehalten, doch an Licht mangelt es nicht. Musterwaren für Boden- und Wandgestaltungen sowie Vorhänge und innenliegende Sonnenschutzsysteme verstecken sich hinter grifflosen Schränken. Die Atmosphäre ist einladend und ruhig. Durch die Betriebsküche gelangt die Belegschaft ins Lager: Hier sind die Wände nackt. Es ist schwer zu glauben, dass es sich um ein und dieselbe Bauweise handelt.

Raumausstatter statten
ihren eigenen Raum aus

Beim Innenausbau der Ausstellung und der Gemeinschaftsräume der Mitarbeitenden setzte Dieter Schühle ebenfalls auf nachhaltige Produkte. Im Zuge einer genauen Recherche trennte er sich von einigen Lieferanten. Wichtig war dem Unternehmer auch, dass Kunden alle Produkte, die sie in den Geschäftsräumen sehen, dort kaufen können. Verlegt wurde z. B. Parkett der Marke Chêne de l’est aus Frankreich. Es gibt Teppichfliesen von Interface und DLW-Linoleum von Gerflor in kräftigen Farben. "In unseren Toiletten sind sogar die Wände mit Linoleum verkleidet, um die Wertigkeit dieses Naturproduktes zu zeigen", erklärt Dieter Schühle. Verputzte Wände sind mit Lehm- oder Kalkfarben gestaltet. Daneben gibt es Naturtapeten mit Almheu und bunten Blüten.

Das Gebäude wurde nicht nur nachhaltig erbaut, es wird auch energieeffizient betrieben. Auf dem Dach befindet sich neben einer Dachbegrünung auch eine Photovoltaik-Anlage. "Wir erreichen aktuell einen 94-prozentigen Eigenverbrauchsanteil", erklärt Dieter Schühle zufrieden. "Unser Nutzungsverhalten versuchen wir dem anzupassen. Unsere fünf Elektrofahrzeuge laden wir zum Beispiel möglichst tagsüber." Außerdem ist der Geschäftsführer ohne Scheu im Zeitalter der Wärmepumpe angekommen: "Unsere Wärmepumpe kann auch kühlen. Wir haben eine zugluftfreie Kühlung über den Boden - und das funktioniert hervorragend. Selbst wenn es im Sommer über 30 °C warm ist, halten wir das Gebäude konstant auf einer Temperatur von 26 °C." Auch die Außenbeschattung wird beim Wärmehaushalt mit einbezogen. An sonnigen Wintertagen bleibt sie oben und die Fußbodenheizung somit aus. Das Smart Home System kommuniziert mit allen Bereichen: Innen- und Außenbeschattung sowie Wärmepumpe. Das System erkennt beispielsweise, ob sich eine, zwei oder drei Personen im Raum aufhalten - und reguliert das Raumklima dementsprechend nach Bedarf.

Von der Natur
für die Natur

Bei der Philosophie von Dieter Schühle greifen ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung ineinander: Dinge, die er der Natur entnimmt, möchte er wieder zurückgeben. So ließ er ausrechnen, wie viele Bäume für seine Leichtbauweise gefällt werden mussten - etwa 130. Er rundete auf 200 auf, weil in die CO2-Bilanz mehr Faktoren als die gefällten Bäume einfließen. Als Schühle der Gemeinde eröffnete, er wolle 200 Bäume pflanzen, waren die Menschen dort freudig irritiert. Die Bäume wurden gepflanzt - 100 davon zusammen mit den Kindern eines Waldkindergartens. Und das war nicht das einzige Umweltprojekt: Auf der unbebauten Wiese um das Firmengebäude, das 650 m2 Bodenfläche einnimmt, galt es, die Biodiversität zu fördern. Es wurde eine Blumenwiese gepflanzt, auf der heute Schmetterlinge eine neue Heimat finden.

"Wir sind keine Missionare", betont Dieter Schühle, der nach wie vor auch konventionelle Produkte anbietet. "Wenn jemand einen Vinylboden möchte, bekommt er ihn. Wir nehmen Kunden aber immer gerne mit auf die Reise und zeigen, welche Alternativen es im ökologisch nachhaltigen Bereich gibt." Bei seinem Unternehmensbau hätte er beim Umweltschutz gerne noch mehr herausgeholt. Um die Förderungen zu erhalten, konnte so manche Idee aber nicht in die Tat umgesetzt werden: Der Traum von der Infrarotheizung platzte genauso wie der von der Retentionszisterne (speichert das Regenwasser und leitet das überschüssige Wasser ins Grundwasser an Ort und Stelle ab) anstelle der Dachbegrünung. Das Eine kann, das Andere muss: Ohne Dachbegrünung keine Förderung - und für beides war kein Geld da. Dieter Schühle scheint seiner Zeit voraus und das frustriert schon auch mal: "Wir wollen alle nachhaltiger und ökologischer werden, aber das Neue funktioniert halt nicht mit den alten Gesetzen", so der Unternehmer mit Weitblick. Dieter Schühle kann wirklich niemand vorwerfen, er hätte nicht alles getan, um aus seinem Bau ein Vorzeigeobjekt zu machen.
Heike Heel
Auf die Zukunft gebaut
Foto/Grafik: Schühle (2), SN-Verlag (5)
Daten + Fakten Schühle
Schühle GmbH
Mercedesstraße 4
71101 Schönaich
Tel.: 0 70 31/ 75 39-0
info@schuehle-handwerk.de
www.schuehle-handwerk.de

Geschäftsführer:
Hans Dieter Schühle
Dieter Schühle
Größe Betriebsstätte:
650 m2 im Gewerbegebiet
in Schönaich
Fertigstellung: 2024
Mitarbeiter: 15
Auf die Zukunft gebaut
Foto/Grafik: Schühle (2), SN-Verlag (5)
Auf der unbebauten Wiese rund um das Firmengebäude wurde eine Blumenwiese gepflanzt, auf der sich heute Schmetterlinge und Bienen wohlfühlen.
aus FussbodenTechnik 05/25 (Handwerk)