Kleiner Fehler Großer Schaden - Zusammenarbeit der Parteien begünstigt Schadensaufklärung
Verfärbungen bei Mehrschichtparkett
Fußbodenkonstruktionen zählen zu den komplexesten und am höchsten belasteten Bauteilen - schon kleine Fehler können hier große Auswirkungen haben. Dabei hat jede Baustelle ihre eigenen Tücken. Oft zeigt sich im Schadensfall erst anhand der Ursachenforschung, worauf ein Verleger alles achten muss. FussbodenTechnik deckt in Zusammenarbeit mit namhaften Sachverständigen anhand realer Schadensfälle mögliche Fehlerquellen auf. Diesmal geht es um die Eigentumswohnung in einem neuen Mehrfamilienhaus, in der sich ein Eiche-Mehrschichtparkett verfärbte.Die Käufer einer Eigentumswohnung entscheiden sich - abweichend von allen anderen Eigentümern - in ihrer Wohnung ein Mehrschichtparkett verkleben zu lassen. In der Wohnung verbaute der Estrichleger zunächst einen zementären Ausgleich, eine PE-Folie als Gleitlage, eine Wärmedämmung aus Mineralfaser, eine Noppensystemplatte für die Fußbodenheizung und einen Calciumsulfatfließestrich (CAF). Ein Parkettleger erhielt schließlich den Auftrag, das gewünschte Mehrschichtparkett mit Eichen-Nutzschicht auf dem belegreifen Estrich zu verlegen. Die Ausführung erfolgte wie üblich mittels eines MS-Klebstoffs ohne Grundierung und Spachtelung direkt auf dem Estrich. Das Parkett wurde bereits werkseitig lackiert.
Nach einiger Zeit zeigten sich im Bereich der Terrassentür des Schlafzimmers - an den Stirnseiten des Parketts - dunkle Verfärbungen. Die Eigentümer teilten dem Generalunternehmer mit, dass der Parkettleger die Beläge dort bereits einmal getauscht und mittels Prüfröhrchen eine erhöhte Ammoniak-Konzentration festgestellt hatte. Demzufolge stellte sich die Frage, ob das Ammoniak aus dem Estrich kommen könnte und das Parkett dunkel verfärbt hatte. Aufgrund der Tatsache, dass sich das bereits getauschte Parkett erneut verfärbte und sich in der gesamten Wohnung ein leichtes Verfärben des Parketts feststellen ließ, verständigten sich die Parteien, einen Sachverständigen hinzuzuziehen.
Schaden
Verfärbungen am Eichenparkett
Die Fragestellung für den Sachverständigen lautete: Was ist die Ursache für die Verfärbungen im Parkett? Aufgrund der Aussagen des Parkettlegers, dass an der Schadenstelle im Schlafzimmer Ammoniak nachgewiesen wurde, fiel der Verdacht sofort auf den Estrich. Zum Zeitpunkt des ersten Ortstermins waren alle Beteiligten anwesend. An diesem Termin wurde mehrfach klargestellt, dass niemand einen Schuldigen suche. Alle Parteien waren an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Demzufolge stimmten alle Beteiligten zu, dass mehrere Bauteilöffnungen und Beprobungen durchgeführt werden durften.
Es sollte in zwei Richtungen untersucht werden: Zum einen in Richtung Ammoniak aus der Konstruktion - dabei standen sämtliche Baustoffe im Fokus. Und zum anderen in Richtung Raumluft bzw. Nutzerverhalten der Eigentümer. Im Zuge der Überprüfungen und zur Lokalisierung der Öffnungsstellen wurden die Flächen mittels Thermographie und Wärmebildkamera untersucht. Hierbei konnte im Schlafzimmer festgestellt werden, dass an der größten Schadenstelle keine Fußbodenheizung verlegt wurde und es zu einer starken Abkühlung am Boden kam. Thermisch gesehen waren alle anderen Flächen in der Wohnung unauffällig.
Das Besondere an diesem Fall war aus Sachverständigensicht, dass der Schaden nicht quantifizierbar oder normbasiert bewertet werden konnte. Demnach waren Indizien aus allen Richtungen neben einem akribisches Abarbeiten der Schadensursachen gefragt. So wurden in der Konstruktion mittels trockener Kernbohrungen alle einzelnen Schichten separiert, vakuumverpackt, katalogisiert und an geeignete Labore geschickt.
Bezüglich des Nutzerverhaltens wurden sämtliche Reiniger, Wischpflegemittel und Aerosole überprüft, ohne einen "Verdächtigen" zu lokalisieren. Das Wegrücken von Möbeln, wie Wohnzimmerschrank und Sideboard, brachte die Erkenntnis, dass die Verfärbungen auch in Bereichen vorlagen, an denen noch nie feucht gewischt oder geputzt worden war. Demnach konnten die Eigentümer keinen Beitrag auf die Verfärbung geleistet haben. Raumluftmessungen in allen Zimmern zeigten keinerlei Amine (Organische Verbindungen, die sich von Ammoniak ableiten, d. Red.) an.
Die Laborergebnisse bezüglich der Bodenschichten ergaben ausschließlich im Schlafzimmer das Vorliegen von Amoniakverbindungen. Ammoniak (NH3) reagiert mit den natürlichen Gerbstoffen (Tanninen) im Eichenholz. Diese Reaktion führt oft zu einer Verdunkelung oder Verfärbung des Holzes. Demzufolge waren die Aussagen des Parkettlegers korrekt.
Im Schlafzimmer konnte zum einen festgestellt werden, dass der CAF-Estrich aufgrund von erhöhter Feuchtigkeit bereits an Festigkeit verliert, zum anderen dass überwiegend in der Mineralfaserdämmung eine erhöhte Feuchtigkeit vorlag. In Folge der Zersetzung konnten auch dort Amine nachgewiesen werden.
Ursachen
Taupunkt am Boden &
ungeeigneter Grundreiniger
Nachdem alle Untersuchungsergebnisse zusammengetragen worden waren, konnten zwei Ursachen für die Schäden benannt werden. Im Schlafzimmer wurde am Terrassenelement durch die Wärmebrücke im Winter regelmäßig der Taupunkt am Boden in der Türlaibung unterschritten. Dadurch gelangte Wasser in die Konstruktion, das die Dämmung und den Estrich schädigte. Ursächlich für die Verfärbung hingegen war das von oben eindringende Tauwasser an den Kopfstößen des Fertigparketts.
In der restlichen Wohnung hingegen konnte unter dem Mikroskop keine Verfärbung nachgewiesen werden. Im Vergleich der beiden Proben 1 und 2 wird ersichtlich, was passiert ist: Eher durch Zufall wurden vom Generalunternehmer Bilder gefunden, die die Grundreinigung vor der Übergabe zeigten. Bei dem eingesetzten Grundreiniger handelte es sich um ein Produkt für PVC, Vinyl und Stein. Dieser scheint die Verfärbungen an den Kopfstößen des Parketts verursacht zu haben.
Erfreulich aus Sicht des Eigentümers ist, dass beide Ursachen vom Generalunternehmer zu verantworten sind. Auch nach der erfolgreichen Ursachenerforschung reagierten alle Beteiligten professionell und zogen gemeinsam an einem Strang.
Verantwortlichkeit
Generalunternehmer
übernimmt Kosten
Die Eigentümer verzichteten auf den Austausch des Parketts. Die Wärmebrücke wurde beseitigt. Der Parkettleger reparierte die Prüf- und Schadenstellen und schliff das Parkett einmal vollflächig ab. Anschließend trug er eine Lackierung auf. Dieser Schaden zeigt eindrucksvoll, dass es sich immer lohnt, alle Beteiligten ins Boot zu holen und eine gemeinsame Lösung zu finden.
Der Autor
Gutachter Georg Kuntner ist von der HWK Mannheim
Rhein-Neckar-Odenwald öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Estrichlegerhandwerk.
In den Rotwiesen 25 69242 Mühlhausen
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Mobil: 01 70 / 4 43 67 07
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aus
FussbodenTechnik 05/25
(Handwerk)